Spüren hilft oft mehr als reden

„Eine Patientin erzählt von ihren Problemen. Sie sitzt dabei vorne auf dem Sessel, als würde sie sich angestrengt aufrichten. Ich höre zu und schlage ihr vor, sie möge es sich gönnen sich anzulehnen. Als sie das tut, kommen ihr die Tränen. Sie spürt, wie sie durch eine anhaltende Überforderung ihrer selbst vermeidet zu fühlen, wie traurig sie eigentlich ist. Und sie ist traurig darüber, wie sie sich selbst überfordert.“

Oft hilft spüren mehr als reden. Denn wie wir die Welt und uns selbst erleben, erfahren wir nicht nur, indem wir nachdenken. Vielmehr, indem wir uns selbst spüren. Beziehen wir in der Therapie das Körpererleben mit ein, eröffnet das neue Möglichkeiten. Psychische Störungen sind nämlich auch immer Störungen des Körpers, des ganzen Menschen. Eine Depression zeigt sich nicht nur in düsteren Gedanken. Sie ist eine Störung der Vitalität, ein Zustand, in dem sich ein Mensch körperlich nicht mehr mit sich und der Welt verbunden fühlt. In einer emotionsfokussierten Schematherapie arbeite ich auch immer mit dem körperlichen Ausdruck von Gefühlen. Formt ein Patient von selbst eine Faust, kann ich ihn darauf aufmerksam machen und fragen, wie sich die Faust anfühlt. Er kann ausprobieren, sie anzuspannen und wieder zu lösen und beobachten, was er dabei erlebt und fühlt. Vielleicht merkt er, dass die Faust auf etwas schlagen möchte. Erst wenn wir uns vorstellen auf ein Kissen stellvertretend zuschlagen, können wir das befreiende Gefühl einer großen Wut erleben. Die therapeutische Arbeit mit dem Körper hilft so zu erfahren, was man wirklich in welchem Ausmaß fühlt.

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