Nacktscanner – Im Bannkreis der Politik

Im Herbst 2008 waren sich Politiker aller Parteien in ihrer Ablehnung noch einig, nun bröckelt der Widerstand gegen die Einführung von Nacktscannern. Damals brach eine Welle der Empörung los, als Pläne der EU-Kommission bekannt wurden, ab 2010 Körperscanner an Europas Flughäfen zu postieren. Die deutschen Innenpolitiker waren sich einig wie selten. „Europa hat nicht alle Tassen im Schrank. Solch eine verrückte Idee muss man sofort mit allem Nachdruck zurückweisen“, befand SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz. Selbst der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble ließ über seine Sprecherin ausrichten, man werde solchen „Unfug“ nicht mitmachen.

Wie können wir diese Problematik aus systemisch-soziologisches Sicht erklären:

Der Versuch des 23-jährigen Nigerianer Abdulmutallab, vor der Landung des Flugzeugs in Detroit einen Sprengsatz zu zünden, hat bei den verantwortlichen Politikern zu einem „Überengagement“ geführt. Hinter diesem Überengagement steckt keine Strategie, sondern plumpe Reaktion aus Furcht, gegenüber dem Würfelspiel des Terrors nicht mithalten zu können, und Flucht in das „Nest“ oder noch besser: Flucht in den Brutkasten „Nacktscanner“.
Doch das Schlimmste bei dieser Art des Überengagements ist die Gleichgültigkeit gegenüber dem Bürger. 163,5 Millionen Passagiere sind im Rekordjahr 2007 allein von deutschen Flughäfen gestartet.
Wir stehen nicht im Bannkreis von ein paar terroristischen Fanatikern, sondern im Bannkreis von ein paar totalitären Politikern.

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1 Kommentar

  1. rebuar

    Das kann ich voll und ganz unterstützen. Die Politik reagiert fast immer statt zu agieren. Wenn die Gefahr eigentlich vorüber ist wird mit Eifer an der Abwehr gebastelt. Dazu gibt es leider unzählige Beispiele, und die Unfähigkeit oder Arroganz der Geheimdienste wird wieder nut zu deutlich.
    H.-P. Rauber

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