Die Welt der Krankheit

Die Welt der Krankheit ist systematisiert und kartografiert. Über die Welt des Kranken selbst, die Welt des subjektiven Empfindens von Kranksein, von seelischer Not und Elend hingegen wissen wir wenig. Es ist die Welt des sprachlosen Leids, der stillen Tiefe der Not, der Ohnmacht, des Verlorensseins, des Ausgeliefertseins an eine naturwissenschaftliche High-Tech-Medizin und deren meist unterentwickelten Fähigkeit zum Mitleid, zum Mitgefühl und zur empathischen Kommunikation.
Wir brauchen nicht nur den wissenschaftlichen-technologischen Fortschritt in der Medizin, – sondern noch viel dringender – einen Fortschritt in der prokativen (schützenden) Kommunikation zwischen der Medizin und den Menschen, die zu ihr Zuflucht nehmen. Krankheit ist in erster Linie eine emotionale Leidensgeschichte und danach erst eine Geschichte organischer Funktionsstörungen.
Der Schrei der Patienten nach kommunikativer Zuwendung wird das Medizinsystem verändern. Prokative Kommunikation in der Medizin ist nicht nur ein peripherer, sondern der zentrale Faktor von Heilungsprozessen.

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1 Kommentar

  1. Anonymous

    Hier ist sehr griffig formuliert, was es bedeutet die emotionale Gesundheit vor der körperlichen Unversehrtheit zu stellen. In der heutigen Zeit wird dem perfekten körperlichen Funktionieren mehr Bedeutung geschenkt, als dem positiven vitalen Gefühl das Menschen für sich in ihre Welt in der sie leben entwickeln können. Als junger Medizinstud hat mich einmal interessiert welche körperlichen Funktionsanweichungen möglich sind, wenn jemand verliebt ist. Wer das als Arzt liest, sieht eine unmittelbare Behandlungswürdigkeit mit Medikamenten als notwendig an. Aber hier ist klar das die Grundlage für gute Gefühle weder die gute körperliche Fitness noch der perket funktioieren Körper. Hier könnten wir die provokative Frage stellen, welche Defiziete in meinem Körper sind notwendig um mein Leben in Glück Zufriedenheit und Lebenslust zu führen. Ich glaube emotionale Gesundheit braucht geordnetes Defiziete, die eine eigene Regulationsdynamik haben.
    Liebe Grüße Jürgen Woldt

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