Psychose – Das Fenster zu unerlösten Beziehungen

Das Wort Psychose kam vom griechischen psychosis – Beseeltheit ins Deutsche und hat heute die Bedeutung einer „kranken Seele“.
Menschen, die unter psychotischen Schüben leiden, fehlt vielfach das sprichwörtliche „dicke Fell“, um innere und äußere Aktionen, Selbstkontrolle und Fremdkontrolle, innerhalb zwischenmenschlicher Beziehungen unterscheiden zu können.
Sie sind dann so dünnhäutig, dass es ihnen nicht mehr gelingt, zwischen Selbst- und Fremdanteilen zu unterscheiden, also was sind die eigenen Anteile und was sind die Anteile des Anderen in der Beziehung. So werden Stimmen oder Personen, die diesen Menschen von außen gegenübertreten, zu inneren Konflikten, die sie überfordern oder gar entgleiten. Sie sehen die Wirklichkeit ganz anders – ähnlich schwer Depressiver, die alles schwarzsehen.
Doch alle diese Phänomene sind zutiefst menschlich. Wir sind eben ein soziales Lebewesen, das nicht nur an anderen, sondern auch an sich zweifeln und verzweifeln kann.

Die Wahrnehmung von Menschen in Psychosen ähnelt zwei- bis dreijährigen Kindern, die alles auf sich beziehen, was in ihrer Umgebung passiert. Sie fühlen sich etwa schuldig, wenn die Eltern streiten. Psychosen sind demnach keine Dauerzustände, sondern gewissermaßen eine Art existenzieller Lebenskrise besonders dünnhäutiger Menschen.
Und die gute Nachricht ist: Man kann aus Psychosen lernen und nach dieser Erfahrung seinem Leben eine wichtige Wendung geben.
Eine Psychose ist nach systemisch-soziologischer Sicht mit einem Traum vergleichbar – mit dem Unterschied, dass man im Traum nicht von anderen beobachtet und als verrückt erklärt werden kann.
Ähnlich wie es Wunsch- und Angstträume gibt, sind auch in Psychosen Wunsch- und Angstanteile enthalten. Sie ringen um ihre Identität und um Autonomie – um Selbstkontrolle und gegen Fremdkontrolle.

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