Infarkt der Seele

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) prognostiziert, dass psychosoziale Störungen bis zum Jahr 2010 nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Erkrankung der Welt werden. Dadurch wird der Herzinfarkt vom „Infarkt der Seele“ abgelöst.
Der gesamtwirtschaftliche Schaden dieser erschreckenden Entwicklung ist enorm. Im Gesundheitsreport der Barmer Ersatzkasse vom Jahr 2009 wird der Anteil psychischer Erkrankungen an der Arbeitsunfähigkeit bereits mit knapp 17 Prozent beziffert. Laut Zahlen des Statistischen Bundesamts stiegen die durch psychische Störungen verursachten Krankheitskosten im Jahr 2008 auf knapp 29 Milliarden Euro. Obwohl die Anzahl an psychosozialen medizinischen Versorgungsangeboten wächst, steigen die Betroffenenzahlen bereits seit Jahren schneller als die Zahl der Fachkräfte.
Wir haben mit unseren bisherigen Mittel den Kampf gegen den massenhaften „Seeleninfarkt“ bereits verloren. Selbst mit unglaublichen Geldmitteln, die wir auch nicht haben, ließe sich kein Seelenfrieden in unserer Gesellschaft erkaufen.
Die Ursache dieser Problematik besteht nach meinen Beobachtungen in zwei gesellschaftlichen Entwicklungen: Zum einen nimmt die psychosoziale Belastung des Einzelnen durch individuellen und gesellschaftlichen Stress, wie Leistungsanforderungen, Informationsüberflutungen, seelische Verletzungen sowie berufliche und persönliche Überforderungen stetig zu.
Zum anderen erkennen wir einfach nicht, dass wir in erster Linie eben an sozialen Beziehungen auch erkranken. Verbale, psychische oder physische Verletzungen, familiäre Zerfallsprozesse, instabile Partnerschaftsbeziehungen führen eben zu psychosozialen Störungen – nicht biochemische Prozesse in unserem Körper.
Siehe dazu auch „Der soziale Körper“: http://www.simplepower.de/der-soziale-koerper/index.php

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