Alles-ist-möglich-Mythos

Jedes fünfte Kind ist psychisch auffällig. Das Traurige an dieser Meldung ist, dass sie uns noch nicht einmal überrascht. Pflegen wir doch selbst ein Bild, dass disziplinarische Probleme schon im Kindergarten beginnen, sich die Gewalt an der Schule fortsetzt und zahlreiche Kinder hyperaktiv und aggressiv sind. Warum spitzt sich die Lage von Kindern und Jugendlichen derart zu?
Waren die Nachkriegsjahre vor allem durch Fortschrittsglauben und Wohlstand gekennzeichnet, ist der Blick in die Zukunft der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation vor allem mit Angst verbunden.
Diese tiefsitzende Angst vor der Zukunft, die Jugendliche regelrecht lähmt, wird von dem Alles-ist-möglich-Mythos der Gesellschaft noch zusätzlich angeheizt.
„Alles ist möglich, wenn man sich nur anstrengt“, sagen Popstars. „Wer reich ist, hat alles richtig gemacht“, sagen die Medien und sogar die Eltern. Dieser Machbarkeitsmythos geht soweit, dass die Jugendlichen ihren Lehrern und Eltern nicht mehr vertrauen. Denn die erzählen ihnen zwar, wie sie es anstellen sollen, erfolgreich zu sein – fahren selbst aber einen Kleinwagen.
Die natürlichen Beziehungen zwischen Jugendlichen und Eltern sind verunsichert und funktionieren nicht mehr. Dazu folgende Frage als kleines Experiment: Wie viel Haushalts-Netto-Einkommen pro Monat ist nötig, um zu den 5% der reichsten Deutschen zu gehören?
30.000 Euro , 50.000 Euro, 75.000 Euro und mehr sind die häufigsten genannten Beträge. Doch es sind tatsächlich nur 5.000 Euro netto pro Monat.
Durch eine starke mediale Fokussierung auf einzelne Superreiche, die sich im Promillebereich bewegen, haben wir eine extreme Fehlwahrnehmung. Diese Fehlwahrnehmung ist im höchsten Maße demotivierend und führt uns in eine existenzielle Frustration. Dagegen sind 5.000 Euro ein überschaubarer Betrag der uns eine „gefühlte Erreichbarkeit“ gibt. Wir gewinnen unsere natürliche, angeborene Antriebskraft zurück und besinnen uns auf unsere individuellen Möglichkeiten, statt sinnlosen Idealvorstellungen unerreichbar hinterherzurennen.

Auszug aus meinem Buch „Bis das Leben wieder gelingt“  

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