Sozialanalyse statt Psychoanalyse

Zwischenmenschliche (soziale) Beziehungen und die damit verbundenen Emotionen sind für die Qualität unseres Lebens von ausschlaggebender Bedeutung. Keine soziale Beziehung, an der uns etwas liegt, kommt ohne Emotionen aus – am Arbeitsplatz nicht und bei keiner Freundschaft, nicht im Umgang mit Familienmitgliedern und erst recht nicht in unseren intimsten Beziehungen. Soziale Beziehungen und ihre Emotionen können uns das Leben retten, aber sie können auch schlimmes Unheil anrichten. Aus diesem Grunde sollten wir uns mit Sozialanalyse, statt mit Psychoanalyse beschäftigen.
Warum haben wir manchmal den Eindruck, dass unsere Emotionen, die aus unseren sozialen Beziehungen resultieren, mit uns durchgehen, als hätten wir keinerlei Kontrolle über sie?
Wir haben keine Chance, solange wir uns nicht genauer darüber klar werden, wie wir reagieren. Damit wir destruktive Episoden in unserem Leben eindämmen und konstruktive fördern können, müssen wir auch unser Persönlichkeitsprofil kennen und über soziale umfeld-bedingte Risikofaktoren informiert sein. Die Fähigkeit, zwischenmenschliche Beziehungskonflikte und ihren unmittelbaren Einfluss auf unsere Gesundheit frühzeitig zu erkennen, erleichtert uns in vielen Situationen den Umgang mit anderen Menschen und mit uns selbst. Wir können ohne soziale Beziehungen nicht leben – es geht also darum, möglichst gut mit ihnen zu leben.

Initiale Regulationsmuster & Emotionen
Zwischenmenschliche Beziehungen und die damit verbundenen Emotionen verändern unsere Sicht der Welt und unsere Interpretation des Handelns der Anderen. Mit unseren sozialen Beziehungen und den damit verbundenen Veränderungen im Denken und den Handlungsimpulsen setzt auch immer initiale Regulationsmuster in Gang. das Vorhandensein solcher initialen Regulationsmuster lässt erahnen, was für eine ungeheure Bedeutung der Interaktion zwischen Säugling oder Kleinkind und anderen Menschen für die Ausbildung der Persönlichkeit zukommt. Initiale Regulationen sind unausweichlich – wir entscheiden uns nicht dafür. Sie variieren von einer Person zur nächsten; ihre Beschaffenheit hängt davon ab, was der oder die Betreffende früh im Leben erfahren hat.

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